Zitat von Marshall Rosenberg

GFK Taschenguide

„Frieden beginnt in uns selbst. Damit meine ich nicht, dass wir uns zuerst von all unseren inneren gewaltvollen Erfahrungen befreien müssen, bevor wir nach außen auf die Welt schauen oder auf einer höheren Ebene am sozialen Wandel mitwirken können. Was ich meine ist, dass wir diese Dinge gleichzeitig tun können.“ (Marshall Rosenberg)

Dazu heute ein Kommentar von  Anja Palitza & Olaf Hartke aus ihrem Newsletter vom 25.04.2020:

 

Marshall sagte damals (beim IIT vor 11 Jahren), dass ihn das große Interesse an der Gewaltfreien Kommunikation sehr erfreut und im Gespräch machte er uns nochmal deutlich, um was es ihm bei der Verbreitung des Modells ging:

Ihm ging es nicht vordergründig darum, dass Menschen das Modell Gewaltfreie Kommunikation lernen. Jedes Kommunikationsmodell sei auch lediglich eine Strategie zur Bedürfniserfüllung, sagte er. Zum Beispiel für mehr Verbindung und Verständnis; zur Klärung von Fragen des Miteinanders. Und – und dies war sein „Herzens-Thema“ – ihn beschäftigte besonders die Frage, wie eine veränderte Kommunikation einen Beitrag zu mehr weltweitem Frieden beitragen kann. Und auch, wie sich jeder Einzelne, der sich nach mehr Frieden in der Welt oder auch im direkten persönlichen Umfeld sehnt, engagieren kann, sich mit Hilfe der Gewaltfreien Kommunikation dafür einsetzen kann. Auch, indem man dazu beiträgt, gesellschaftliche Strukturen zu schaffen, die mehr den Bedürfnissen der Menschen dienen und sich daran orientieren. „Social change“ – gesellschaftliche Veränderung war für ihn ein wichtiges Thema in der Schulung von Gewaltfreier Kommunikation und nahm einen großen Raum in seinem Training ein.

Motor dieses gesellschaftlichen Veränderungswunsches war seine Erkenntnis als Psychologe, dass man Menschen mit psychologischen Erkrankungen zwar hilfreich begleiten kann, doch dass man damit immer nur individuelle Symptome des jeweiligen Betroffenen heilen kann. Das frustrierte ihn, denn die gesellschaftlichen Strukturen und die Art, wir unser Miteinander gestalten, blieben davon unbeeinflusst.

Marshall Rosenbergs größtes Anliegen war eine gesellschaftliche Veränderung auf Basis von Strukturen, die dem Leben, dem Miteinander der Menschen und der psychischen Gesundheit dienen.

Der brasilianische Pädagoge Paulo Freire und seine Befreiungsidee faszinierten Marshall Rosenberg. Freire entwickelte ein Alphabetisierungs-Programm, das den Bauern seines Landes half, Protestbriefe an die Regierung zu schreiben. Das war nicht nur eine Technik des raschen und gezielten Erwerbs der Lese- und Schreibfähigkeit, sondern darüber hinaus eine Methode der Bewusstseinsbildung.

Das inspirierte Rosenberg so nachhaltig, dass er ein einfaches Modell zu entwickeln suchte, dass Menschen unterstützen kann, sich für ihr eigenes Leben und auch für ihren Gemeinschaftsbeitrag in der Welt verantwortlich zu erleben und entsprechend zu handeln. Er begann ein erstes Modell von Gewaltfreier Kommunikation zu entwerfen.

In den USA begleitete Rosenberg mit seinem Ansatz die Bürgerrechtsbewegung, arbeitete mit Jugendlichen und Straßen-Gangs und war mit vielen Initiativen in Kontakt, die friedensstiftende Fertigkeiten erlernen wollten. Auch in Kriegs- und Krisengebieten, u.a. im Nahen Osten, Irland, Ex-Jugoslawien und Ruanda wurde er gebeten, zu vermitteln.

Immer wieder erlebten wir mit ihm, dass er uns Teilnehmer animieren wollte, neben der Klärung unserer persönlichen Angelegenheiten auch eine (Mit-)Verantwortung dafür zu übernehmen, was auf der gesamten Erde passiert. Marshall offenbarte uns seine Vision, dass er den Sinn der Gewaltfreien Kommunikation darin sieht, „gewaltfreies Denken und Handeln“ in einem größeren, ja globalen Maßstab einzuüben und tiefgreifende Veränderungen zu erzielen. Damals sagte er, die Zeit sei reif dafür, dass Menschen die großen Irrtümer unserer jüngsten Entwicklung erkennen und sich wieder mehr dafür zu interessieren, was im Leben wirklich wichtig ist.

Die Zeit ist reif dafür, das finden wir auch. Wenn nicht jetzt wann dann?

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