Was Empathie ist … und was Empathie nicht ist – Thom Bond

Wolfsgespräch mit Giraffe

„Das, was man mit den Ohren hört, ist eine Sache. Das, was der Verstand versteht, ist eine andere Sache. Aber das, was die Seele hört, geht weit über diese beiden Vorgänge, das akustische Hören und das Denkvermögen, hinaus. Demzufolge ist es erforderlich, dass wir leer sind. Denn wenn wir leer sind, hören wir mit unserem gesamten Wesen zu. Dann ist da ein direktes Verständnis von dem, was gerade vor einem ist – und das ist etwas, was nie nur mit dem Ohr oder mit dem Verstand erfasst werden kann.
-Chuang-Tzu

Empathie ist die grundlegende Praxis, die uns zum Mitgefühl führt. Es ist eigentlich ganz einfach, und gerade deshalb eine ziemliche Herausforderung.
Als ich heranwuchs, lernte ich, mit dem Verstand zuzuhören, oft mit einer anderen Absicht dahinter als mit dem Wunsch, mit der betreffenden Person in einen echten Kontakt zu treten. Oftmals, wenn ich jemandem zuhörte, war ich mit meinen Gedanken in der Zukunft… „Was kann ich darauf erwidern?“ oder „Was für eine Lösung können wir uns ausdenken?“ Ein anderes Mal war ich in der Vergangenheit und dachte nebenbei: „Woran erinnert mich das?“
Ich erkannte, dass diese Gedanken mich ablenkten und dass ich weniger imstande war, nachzuvollziehen, was die andere Person erlebte. Und so entdeckte ich Empathie.
Empathie bedeutet das Erforschen unseres menschlichen Erlebens… unserer Gefühle… unserer Bedürfnisse… – sie sind unsere Lebensenergie, die zutage treten und uns führen möchte. Es geht um das Nachfragen, es geht um das Wissenwollen und um eine echte Neugierde darüber, was die andere Person durchlebt.
Es mag verwunderlich klingen, aber ich habe immer und immer wieder miterlebt, dass diese Suche, dieses Wissenwollen, uns auf einer tieferen Ebene miteinander verbindet; hier öffnen sich unser Herz und unsere Seele.

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